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25Jun

Zahnarztpraxis gründen: Mit 8 Schritten erfolgreich in die Selbstständigkeit

  • Jahr: 2019
  • Autor: Katrin Müseler

Nach dem Zahnarztstudium stellt sich oft die Frage wie es nun weitergeht. Eine Möglichkeit und der Wunsch vieler Absolventen ist es, eine eigene Zahnarztpraxis zu gründen. Es ist der größte Schritt in der Karriere eines Zahnarztes, doch leider gründen viele Zahnärzte eine Praxis ohne das nötige wirtschaftliche Know-how.


Die Zahnarztbranche hat sich verändert. Heutzutage ist die Finanzierung eine große Hürde und die Konkurrenz sehr hoch. Zudem braucht man, um mit der Gründung einer Zahnarztpraxis erfolgreich zu sein, nicht nur das zahnärztliche Wissen aus dem Studium, sondern auch Verständnis für die wirtschaftliche Seite. In diesem Blogartikel werden deshalb die wichtigsten Schritte in die Selbstständigkeit mit einer Zahnarztpraxis erläutert. Mit diesen Schritten setzen Sie die Basis für einen langfristigen Erfolg Ihrer eigenen Praxis.

1. Ziele für Ihre Zahnarztpraxis setzen

Ein oft vergessener Schritt beim Gründen einer Zahnarztpraxis ist die Festlegung von Zielen. Ziele setzen die Basis für eine erfolgreiche Praxis. Alle Entscheidungen sollten auf Basis dieser Ziele getroffen werden. Fragen, die Sie sich stellen sollten, sind:

  • Wo will ich leben?
  • Welche Art von Patienten will ich behandeln?
  • Wie viel muss ich verdienen?
  • Wie viel will ich verdienen?

Stellen Sie bei der Zielfestlegung aber sicher, dass Ihre Ziele auch realistisch sind und nachverfolgt werden können.

2. Startup-Team für die Gründung der Zahnarztpraxis zusammenstellen

Während der Gründungsphase ist ein Praxis-Startup-Team Gold wert. Es hilft dabei, Fehler beim Gründen der Zahnarztpraxis zu vermeiden und die Lernkurve insgesamt zu verkürzen. Bei der Suche nach geeigneten Teammitgliedern schauen Sie sich zunächst unter Ihren Kontakten um. Nutzen Sie Ihre Quellen und Beziehungen, die sie während des Studiums geknüpft haben. Die Chancen stehen gering, dass sie eine Person finden, die sich in allen Bereich auskennt. Sinnvoller ist es, sich auf bestimmte Teilfelder wie Finanzen, Steuern und Rechtliches zu konzentrieren. Wichtig ist es, Menschen mit Erfahrung und Wissen zu finden, die helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Dieses Wissen können Sie nutzen, um einen Businessplan für Ihre Zahnarztpraxis zu entwerfen. Was ein Businessplan enthalten sollte, können Sie auf den Seiten der IHK nachlesen. Dieser ist besonders für die Finanzierung über Banken von entscheidender Wichtigkeit. In diesem Video wird das Thema Businessplan kurz und knackig beschrieben.

3. Zahnarztpraxis: Immobilie und Geräte organisieren

Der wichtigste Punkt, wenn Sie eine Zahnarztpraxis gründen, ist zu entscheiden, auf welchem Weg man diese Gründung verwirklichen will. Zur Auswahl stehen die Neugründung einer eigenen Praxis, die Übernahme einer bestehenden Praxis sowie der Einstieg in eine Gemeinschaftspraxis.

In dem Fall, dass Sie Ihre Zahnarztpraxis neu gründen, müssen Sie eine entsprechende Örtlichkeit finden. Hier kommt es vor allem auf die Größe und Anzahl der Räume an. Stellen Sie sicher, dass Sie für die spezifischen Praxisanforderungen genügend Räume zur Verfügung haben. Dazu zählen je nach Praxisart:

  • ein Warteraum
  • ein Rezeptionsbereich
  • Behandlungsräume
  • Toiletten
  • Röntgenräume
  • Bereich für Mitarbeiter
  • Büros
  • ein Labor

Beachten Sie bei der Suche nach einer Zahnarztpraxis auf jeden Fall auch die eventuell anfallenden Kosten für Renovierung und Ausbau der Räume. Doch auch der Standort hat Auswirkungen auf den Erfolg Ihrer Praxis, mehr Infos zur Standortauswahl finden Sie hier.

Die Räume der Zahnarztpraxis mit den entsprechenden Geräten zu füllen, ist eine sehr kostspielige Angelegenheit. Moderne Technologien wie Laser- und Röntgensysteme werden daher von Zahnärzten häufig geleast, da sich die Kosten hierfür im sechsstelligen Bereich befinden. Fokussieren Sie sich auf die Geräte, die Sie tatsächlich brauchen. Dazu zählen beispielsweise ein qualitativer Zahnarztstuhl und eine Praxismanagement-Software, die zu Ihren Bedürfnissen passt.

Eine solche Software bringt Transparenz und Übersicht in die Abläufe Ihrer Zahnarztpraxis. Um das zu gewährleisten, sollte sie folgende Funktionen haben:

  • Sichere Speicherung von patientenbezogenen Daten
  • Aufnahme von Befunden
  • Befundorientierte und digitale Behandlungsplanung
  • Anbindung an andere Programme (z.B. Röntgenprogramm)
  • Prozessorientierte Abrechnung
  • Terminmanagement
  • Verwaltung von Materialien und Geräten

Die digitale Verwaltung der Materialien ist von Vorteil, da eine Herausforderung für eine neugegründete Zahnarztpraxis häufig die Lagerung der Materialien ist. Achten Sie darauf, dass immer genügend Material auf Lager ist, um Behandlungsausfälle zu vermeiden. Gleichzeitig können Sie nicht zu viele Materialien lagern, da diese sonst bis zu Behandlung eventuell nicht mehr haltbar sind.

4. Geeignetes Personal für die Zahnarztpraxis finden

Eine Zahnarztpraxis kann nicht bestehen ohne ein gutes Team. Der Erfolg Ihrer Zahnarztpraxis hängt davon ab, ob Ihr Team den menschlichen Bedürfnissen der Patienten nachkommen kann oder nicht. Beim Gründen Ihrer Zahnarztpraxis dürfen Sie deshalb die Personalauswahl nicht außer Acht lassen. Ein gutes Praxisteam zusammenzustellen ist dann am einfachsten, wenn die Vision und Ziele des Teams mit Ihren übereinstimmen. Beachten Sie deshalb bei der Einstellung von Mitarbeitern, ob sie bereits Erfahrung im entsprechenden Bereich haben, ob sie gerne mit Menschen arbeiten und wie ihre Lebenseinstellung ist.

Schaffen Sie sich zunächst einen Überblick darüber, was Personal kostet und welches Personal Sie brauchen. Damit eine Praxis reibungslos läuft, braucht man in der Regel mindestens einen zahnmedizinischen Fachangestellten, einen Dentalhygieniker und einen Rezeptionisten. Dies richtet sich jedoch in erster Linie nach der Größe der Praxis. Für größere Praxen mit mehreren Zahnärzten muss gewährleistet werden, dass genug Personal vor Ort ist, um sich um die Bedürfnisse der Kunden zu kümmern.

5. Finanzierung organisieren & Kosten sparen

Bei der Gründung einer Zahnarztpraxis ist der gängigste Weg zur Finanzierung die Aufnahme eines Kredits. Um die Finanzierung zu gewährleisten, muss der Zahnarzt bei der Gründung eine gute Bilanz haben und versichern können, dass er den Kredit auch zurückzahlen kann. Zusätzlich sollten Sie kalkulieren, was Sie monatlich an Einnahmen generieren müssen, um den Kredit abzahlen zu können. Dabei sollten Sie auch berücksichtigen, dass Sie vom Gewinn auch Ihren Lebensunterhalt bestreiten möchten.

Es stellt sich natürlich die Frage, wie man die Höhe des benötigten Kredits für die Zahnarztpraxis möglichst niedrig hält. Wie bereits erwähnt, ist es deshalb wichtig, sich bei der Gründung auf die Ausstattung und Geräte zu fokussieren, die man tatsächlich braucht. Auch sollte man sich als Zahnarzt nicht von Geräten täuschen lassen, die man nicht zwingend braucht. Ein Hartgewebe-Laser oder ein Zahnfräser sind zwar „nice to have“, aber braucht eine neue Zahnarztpraxis diese wirklich vom ersten Tag an? Was wirklich wichtig ist, ist ein positiver Kapitalfluss, sodass man die Zusatzausstattung dann später kaufen kann, wenn man es sich leisten kann.

Ein weiterer guter Weg, um die Schulden bei der Gründung nicht durch Geräte in die Höhe zu treiben, ist der Kauf hochwertiger Produkte – es muss nicht zwingend die bekannteste Marke sein. Auch weniger bekannte Marken können hochqualitative Geräte zu niedrigeren Preisen anbieten.

Mit diesen 5 weiteren Tipps, lassen sich beim Gründen der Zahnarztpraxis noch mehr Kosten einsparen:

  1. Finden eines motivierten Vermieters, der die Kosten für den Umbau oder einen Teil davon übernimmt
  2. Miete oder Kauf einer aufgegebenen, leerstehenden Praxis
  3. Einrichtung des eigenen Büros so, dass es mit anderen Fachkräften geteilt werden kann
  4. Einfache Einrichtung der Zahnarztpraxis bei Gründung und Weiterentwicklung, sobald es der Umsatz erlaubt
  5. Teilen der Praxis mit anderen Zahnärzten oder Fachärzten

Auch nach der Gründung ist es wichtig, die Kosten im Auge zu behalten. Konzentrieren Sie sich hier vor allem auf die Dinge, die Sie selbst kontrollieren können, beispielsweise Personalkosten und ähnliche Ausgaben. Alles in allem muss man etwas betriebswirtschaftliches Wissen mitbringen, um die Kosten zu managen, den Kredit zu zahlen und dabei auch Geld zu verdienen.

6. Führungskompetenz als Zahnarzt lernen

Der Zahnarzt ist die führende Person einer Zahnarztpraxis. Er legt die Vision, das Arbeitsklima und die Unternehmenskultur fest. Die Praxis ist wie ein Spiegel des Zahnarztes. Auch, wenn ein Zahnarzt technisch sehr gut ist, kann es sein, dass er nicht die Fähigkeit hat, eine Zahnarztpraxis zu leiten. Aber gute Führung kann man lernen. Wenn Sie sich Ihrer Führungsqualitäten nicht sicher sind, belegen Sie einen Kurs oder ein Coaching. Diese gibt es schon ab 100 Euro pro Coachingstunde.

7. Marketing und Einnahmequellen für Ihre Zahnarztpraxis

Nicht nur um den aufgenommenen Kredit abzuzahlen, sondern auch um Geld zu verdienen ist es essentiell, Einnahmequellen zu schaffen. Basis hierfür sind natürlich Ihre Patienten – ohne Patienten keine Praxis. Besonders wichtig um die Zahnarztpraxis aufrecht zu erhalten ist es deshalb, jeden Monat neue Patienten zu behandeln. Das sorgt für ein optimales Wachstum. Des Weiteren sollten Sie Marketing betreiben, sowohl intern für Ihr Personal als auch extern für Ihre Kunden. Gute Maßnahmen hierfür sind:

  • Bei Jameda oder anderen Branchenportalen anmelden
  • Suchmaschinenoptimierung (SEO) für Zahnarztpraxen durchführen
  • In Google Anzeigen für Ihre Praxis schalten (SEA)
  • Ihre Praxis in Google My Business eintragen (kostenlos) um besser gefunden zu werden
  • Facebook Auftritt erstellen zur Vertrauensbildung
  • Facebook-Anzeigen für direkte Kundenakquise
  • Hinweis an Kunden, dass die Praxis auf Google und Jameda bewertet werden soll (z.B. auf Terminbestätigung)

Behalten Sie dabei immer den Kapitalfluss im Auge. Ein positiver Kapitalfluss ist ausschlaggebend für den Erfolg Ihrer Zahnarztpraxis.

8. Rechtliche Voraussetzungen beim Gründen einer Zahnarztpraxis

Zu guter Letzt sollten Sie sich noch speziell mit den rechtlichen Aspekten der Gründung einer Zahnarztpraxis beschäftigen. Für jede Praxis ist die Eintragung ins Zahnarztregister notwendig. Einen Antrag dafür können sie bei der kassenzahnärztlichen Vereinigung anfordern.

Sofern Sie bei der Gründung kein eigenes Labor in Ihre Zahnarztpraxis integrieren, wird außerdem die Zusammenarbeit mit Dentallaboren notwendig. Um eine optimale Zusammenarbeit sicherzustellen, sollten sie vorab Gespräche mit den Laboreigentümern führen.

Schließlich brauchen Sie für Ihre Zahnarztpraxis auch eine Genehmigung des Gesundheitsamtes. Dieses prüft regelmäßig die infektionshygienischen Zustände. In vielen Fällen sind darüber hinaus Einzelanforderungen zu erfüllen, die sich je nach Bundesland unterscheiden können. Informieren Sie sich dafür bei Ihrem zuständigen Gesundheitsamt.

Schlussendlich ist das Gründen einer Zahnarztpraxis eine kostspielige Angelegenheit mit viel Planungsaufwand. Doch viele Erfolgsgeschichten von Zahnärzten zeigen, dass es sich lohnt, eine eigene Zahnarztpraxis zu gründen. Mit guter Vorbereitung, wohl überlegten Entscheidungen und diesem Leitfaden ist der erste Schritt zu Ihrer eignen Zahnarztpraxis schon getan.

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